Sunday, May 24, 2020

Höchstmoderne Tastaturen + nur gescannte historische Zeitung = die Geschichte lebt: Auf dem Beispiel der ´Neuen Lodzer Zeitung´







Die nur gescannten deutschsprachigen Pressearchive in Polen sind ein Alptraum und ein Traum zugleich. Automatische Texterkennung scheint der einzige Weg zu sein, die gewaltigen Mengen an Inhalten der derartigen Archiven zu verarbeiten. Wenn man aber etwas wählerisch ist, dann ist es gut möglich dies im kleineren, doch bedeutenden Maßstab, unter Einsatz der dazu am besten geeigneten Tastaturen zu machen. Schließlich ist nicht alles darin wirklich wichtig. Praktisch genommen sind nur die historischen Pressequellen zur Politik, Gesellschaft und Wirtschaft unbedingt nötig, um die wichtigen Ereignisse aus dem Zeitalter als Lodsch noch die polnisch-deutsch-jüdische Stadt war, besser zu verstehen. Und um mit der „Neuen Lodzer Zeitung“ zu reden: „Die Geschichte ist nicht bloß ein Repertorium von Zahlen und Namen, nicht bloß eine Gedenktafel dessen, was geschehen und unwiederbringlich vorbei ist.” (August Müller)




Die „Neue Lodzer Zeitung“ war eine ganz besondere Zeitung gewesen. 1902 durch junge Journalisten der „Lodzer Zeitung“ gegründet, zeichnete sie sich mit dem westeuropäischen Niveau seines Journalismus aus. Seit Anfang an war sie und ist bis heute eine Fundgrube an historischen Angaben und Meinungen über das späte Russische Kaiserreich, Russisch-Polen und die Zweite Republik Polen geblieben.




Keine andere deutschsprachige Zeitung in Polen war so eindeutig polenfreundlich gesinnt gewesen


Sie spiegelte die hohen Idealen der Polendeutschen und der Lodzermenschen wieder. Unter tragischen Umständen (Terrorangriffe der Hitlers Luftwaffe) beendete sie ihre Tätigkeit am 3. September 1939. Am demselben Tag war auch die (auf ähnliche Art und Weise geführte) „Volkszeitung“ zum letzten Mal erschienen.




Das digitale Archiv der historischen Zeitung ist heute bei den Webseiten der zwei großen mittelpolnischen Bibliotheken zugänglich


Ihre Digitalisierung ist leider keineswegs perfekt. Zum ersten es fehlen ganze Jahrgänge und einige andere sind lückenhaft erhalten geblieben. Die Ursache dafür sind die Aktivitäten der Hitlerjugend, die alle für sie zugänglichen Exemplaren von der Zeitung mit Haß und Verachtung im Herz aufsuchte, um diese als Altpapier zu benutzen. Anderseits aber es wurde nichts gemacht, um die vor der Zerstörung gerettete Mehrheit der wundervollen Zeitschrift in der Dritten Republik Polen irgendwie zu ordnen und etwas mehr bekannt zu machen.




Das Hauptproblem der digitalen Pressearchive der Zeitschriften aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts besteht darin, dass wenn für die viele hunderttausend, sogar Millionen Aufsätze und Beiträge umfassenden Sammlungen keine automatische Texterkennung ("OCR") eingesetzt wurde, da...


Da steht man ziemlich ratlos dem riesigen Dschungel der Inhalte gegenüber. Es sei denn, jemand hat es wirklich gern ein Dschungelcamp zu bauen und dann das märchenhafte Reichtum des kaum bekannten Landesinneren für sich selbst und für die Anderen zu erschließen. Ich habe bei der „Neuen Lodzer Zeitung“ ausgerechnet damit zu tun. Ganz anders als im Fall der anderen digitalen Pressearchive. dieser der Österreicher, Schweizer und Luxemburger (um im deutschsprachigen Raum zu bleiben), wo die Inhalten sogar im digitalen Volltext zugänglich sind. Als Deutschliebhaber muss ich mich nicht dazu zwingen, den ganzen Dschungelkampf, welcher uns die Geschichte und Gegenwart auf die Schultern gepackt hat, aufzunehmen. Ich werde dort keinen Dschungelkönig, sondern die Heiligen und Helden treffen, und trotzdem...




So oder so sind die modernsten Tastaturen unbedingt notwendig, um die Notizen zu machen oder die Zitaten mit Hilfe von Textverarbeitung zu erstellen und diese später für digitale Medien zu vorbereiten


Die Aufgabe ist als mittelschwer zu beurteilen: Die besten Tastaturen (als Android-apps) runterzuladen und sie dann, sozusagen, in der Rolle des Abtransportmittels der neu entdeckten Reichtümer zu benutzen. Diese Möglichkeit bieten vor allem die Flachrechner an. Ich habe aus dem umfangreichen Angebot an höchstmodernen drei gewählt. Als die erste, GO Keyboard Pro, um auf Deutsch von heute zu schreiben. Sowas ist unbedingt nötig.



Als zweite, die Emoji Keyboard (mit drei Herzen), ohne digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, um die alte, klassische deutsche Wortschatz selbstständig zu sammeln und zu speichern, einschließlich die veraltete, doch so für mich entzückende, Rechtschreibung.


Die polnischen Juden haben seit Anfang an ihre Vertreter bei den Einrichtungen, die die Machthabenden in unserem Land berieten, gehabt. Man ließ ihnen sich frei auszusprechen, so dass sie interessante Sachen zum Thema Finanzen erzählen konnten.


Die gebrochene Schrift kann ich seit eh und je lesen, doch um dies vollständig zu benutzen, hab ich mir auch ein der Tastaturtype, die der Benutzer fast beliebig programmieren kann, besorgt. Die ai.Bot Keyboard Free benutzt die Wortschatz aus Emoji dazu. Ein kleines Beispiel dafür:




Auf diese Art und Weise hab ich nun drei neue Tastaturen zur Verfügung, die mir einerseits eine schnelle Worteingabe und Fehlerkorrektur sichern, anderseits aber auch das Sammeln der alten Wortschatz sowie die Nachahmung des Schreibstils der Verfasser der historischen Zeitung ermöglicht haben. Der beste Ausgleich zwischen diesen zwei Aufgaben ist einfach: die deutschen Tastatur-Sprachpaketen für Emoji und ai.Bot etwas später, nach Bearbeitung von etwa zehn Texten per Hand, hochzuladen.




Ziel erkannt und erreicht: Johannes Danielewski warnt mal wieder


Der evangelisch-lutherische Gläubige, Mitglied der Kirchengemeinde Sankt Johannis (St-Johannis-Kirche) in Lodsch, Freund des späteren Märtyrers Julius Bursche, warnte im Jahr 1930 vor der Zerstörung der christlichen Werte durch heidnischen Chauvinismus. Danielewski starb im Jahr 1933. Er erlebte die NS-Verbrechen, denen die Geistlichkeit sowie die christlichen Aktivisten, wie er selbst, zu Tausenden zum Opfer fielen, nicht mit. Seine Prophezeiungen erfüllten sich.




Ich habe ein Aufsatz, der auch für die Nachwelt niedergeschrieben wurde, und zweifelsohne unsere Aufmerksamkeit verdient, entdeckt


Zuerst kurz über seinen historischen Hintergrund. In Polen gab es damals zwei ganz verschiedene Organisationen der deutschen Minderheit. Deutscher Volksverband in Polen vereinigte die Reichsdeutschen, die lebten einst glücklich im Deutschen Kaiserreich. Sie waren die ehemaligen Untertanen von Kaiser Wilhelm, die mit Polen nichts zu tun haben wollten, und trotzdem polnische Bürger werden mussten. Dies war eine der Folgen der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg; die Grenzen Polens wurden nach Westen verschoben. An der Spitze des Volksverbandes stand, erstaunlicherweise, ein Polendeutscher, August Utta. Dies war aber auch auf die Folgen der polnischerseits begangenen Fehlgriffe zurückzuführen. Darüber kurz am Ende.




Zudem wirkte Utta seit 1919 als führendes Mitglied im Synodenrat der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen


In Opposition zu den Volksverbändlern war der Deutsche Kultur- und Wirtschaftsbund in Polen enstanden, um die Interessen der deutschstämmigen Bewohner Mittelpolens zu repräsentieren. Die beiden deutschen Volksgruppen in der Zweiten Republik Polen unterscheideten sich stark gegeneinander. Auch bei ihren Ansichten zu religiösen Angelegenheiten. Dies führte zu den Versuchen der Reichsdeutschen das Bollwerk der Polenfreunde, die Großstadt Lodsch zu erobern.


Als Gegengewicht zur „Neuen Lodzer Zeitung“ wurde die Tageszeitung „Freie Presse“ gegründet. Mit dem Leitartikel der letzten, der sich mit der Bilanz des Jahres 1929 befasste, setzte sich der Vorsitzende des Deutschen Bundes, Danielewski auseinander. Er berufte sich dabei eifrig auf die wahren Grundsätze der evangelischen Glaube.




Er glaubte an Gott, glaubte auch an Polen...


In der Behandlung der zweiten Bilanzposition der Volksverbändler kann man eine direkte unchristliche Einstellung wahrnehmen. [...] Die Totengräber am Christentum sind diejenigen, welche die Politik in die Kirche hineintragen, die Pastoren haben wollen, welche nicht durch den Mund des Heiligen Geistes reden, sondern nach den Anweisungen des Volksverbandes. Es sind diejenigen, die mit Sturmtrupps und mit Leuten, welche innerlich der Kirche fernstehen die Kirche erobern wollen. [...]


Die Kirchenaustritte wie der Rückgang der Leserzahl der christlichen Zeitschriften sind auf das Konto derer zurückzuführen, welche nichts unversucht lassen, um die Kirche zu politisieren und sie als Propagandamittel für ihre Parteizwecke zu benutzen. Auf die Passivseite der politischen Bilanz gehört auch die hetzerische Tätigkeit politischer Parteien, einschließlich des Volksverbandes, die unzweifelhaft zum Kommunismus führt.


Jede deutschfeindliche Politik muß der lutherischen Kirche fern bleiben, aber wenn man diese Forderung aufstellt, da muß man doch gleichzeitig fordern, daß die Kirche nicht zum Feind der polnischen Bevölkerung wird, sondern daß das Band der christlichen Nächstenliebe [auch] diese umschließt. [...] Sind wir der Ansicht daß Glaubensbrüder, daß die Regierung usw. Fehler begehen, dann sollten wir als Christen Gott bitten, den betreffenden Kreisen eine andere Einsicht zuteil werden zu lassen, nicht aber zu hetzen.“




Sonst ehren wir Gott mit den Lippen und das Herz ist fern von Gott. Das ist eben die Einstellung der Kreise, welche die Kirche zu politischen Zwecken mißbrauchen wollen.“


Der Führer des Volksverbandes hat in seiner Bilanz keine Schlußfolgerungen gezogen und keine Besserungsvorschläge gemacht. Kein besserer Vorschlag wird aber für das neue Jahr gemacht werden können, als daß endlich eine Volksgemeinschaft in Polen geschaffen wird, in der die verschiedensten Bevölkerungsschichten um den Aufbau von Wirtschaft und Staat wetteifern, um Frieden, Glück und Wohlstand herbeizuführen und das Christentum in der Bevölkerung zu vertiefen.“


Johannes Danielewski, Totengräber am Christentum, „Neue Lodzer Zeitung”, 3. Januar 1930, S. 3 (21 nach dem Scan der Bibliothek der Lodzer Universität).




Die verkannten Heiligen


Die Evangelische oder z. B. Methodistische Kirche hat seit Anfang an mit der Heiligenverehrung Abschied genommen. Dies bedeutete aber nicht, dass Gott der Allmächtige damit aufgehört hat, die heiligen Männer und Frauen in der Welt für Ihn zu berufen und ihnen wichtige Aufgaben zu geben. Es gibt einfach keine formelle Heiligsprechung bei den Protestanten.


Wenn wir die Taten und die Lehren der hervorragenden Anführer des lutherischen Volkes in Polen von damals kennenlernen, da sehen wir die Heiligen. Wir sehen den richtigen Weg der Gotteskirche — das aufrichtige Gehorsam gegenüber dem Ewigen Vater. Das ist eine der wichtigsten Themen der „Neuen Lodzer Zeitung“. Das ist auch ein Grund warum die historische Zeitung schließlich erst richtig erschließt sein soll.




Das ist offensichtlich nicht der einzige Wert der alten deutschsprachigen Lodzer Zeitungen und Zeitschriften als historische Quellen


Diese Zeitungen geben auch eine Antwort auf die Frage, warum es trotz der günstigen Bedingungen in Städten wie Tomaschow von Mazowien nicht möglich war, die deutsche Minderheit in der Zweiten Republik Polen vollständig zu integrieren.


Die Regierungen der Nationalen und der Bauernpartei (1919-26) sündigten in übermäßiger Eile. Sie führten die Schulen mit zwei Unterrichtssprachen in rein deutschen Dörfern ein, ohne etwas abzuwarten und einige Bedingungen allmählich zu ändern. Nach einigem Zögern hat das Sanatoren-Regime (1926-39) damit begonnen, die Menschen durch Verwaltungszwang zu polonisieren, und trat auf diese Art und Weise in die Fußstapfen der Germanisierer und Russifizierer. Ungeachtet der Tatsache, dass die Politik der Teilungsmächte gescheitert war und zum bewaffneten Widerstand gegen sie führte, der mit dem Sturz ihrer Herrschaft endete. Historia magistra vitae est!




Nach dem Abschluß des Aufsatzes hab ich von einem anderen, ziemlich ähnlichen Archiv erfahren


Auch in diesem Fall man muss sich die Mühe geben und langsam durchstöbern. Es ist eine Sammlung an historischen Unterlagen der Kaiserlichen sowie der Deutschen Wehrmacht aus dem Ostfront. Jede Menge an alten Maschinenschriften, keine Normseiten, niedriger bestenfalls mittlerer Qualität. Ich meine damit: Deutsch-Russisches Projekt zur Digitalisierung Deutscher Dokumente in Archiven der Russischen Föderation.


Die Bestände wurden zwei in ziemlich zahlreiche thematische Gruppen aufgeteilt, blieben aber nur gescannt. Es ist auch nicht verwunderlich; ein Teil davon wurde von den Soldaten der Sowjetarmee aus der Asche geborgen. Digitalisierung muss unter diesen Umständen auf Seitenbilder und ihre Auslagerung begrenzt werden. Dies gibt Anregung und Anlaß, die Tätigkeit rund um die höchstmodernen Tastaturen des Android-Betriebssystems weiterzuführen.




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